Ich hatte versprochen, dass wir zur Luft zurückkehren. Dieses Thema ist mir besonders ans Herz gewachsen — weil man nichts davon sieht und es doch alles verändert.
Denk an einen Nachmittag in einem geschlossenen Konferenzraum. Oder an ein Schlafzimmer am Morgen, nachdem das Fenster die ganze Nacht geschlossen war. Dieser schwere Kopf, in dem die Gedanken langsamer werden. Meist sagen wir uns: „Ich bin müde.“ Doch häufig ist es keine Müdigkeit — es ist die Luft.
Hier sagt die Wissenschaft etwas, das mich selbst überrascht hat. Forschende der Harvard University führten das COGfx-Experiment durch: Dieselben Personen arbeiteten in Räumen mit unterschiedlicher Luftqualität, ohne zu wissen, welcher Raum welcher war. In besser belüfteten Räumen mit weniger Kohlendioxid waren ihre Ergebnisse in Denkaufgaben — Planen, Entscheiden, Reagieren auf Krisen — deutlich höher. Derselbe Kopf. Andere Luft. Ein anderes Ergebnis.
Das ist genau die wechselseitige Beziehung, über die ich am Anfang geschrieben habe: Ein Raum beherbergt uns nicht nur. Er entscheidet mit darüber, wie wir in ihm denken.
Und die gute Nachricht: Bei der Luft lässt sich sofort am einfachsten etwas verändern. Eine Renovierung ist nicht nötig. Kurz und häufig lüften, das Schlafzimmer nicht die ganze Nacht vollständig geschlossen halten und einige Pflanzen ins Haus holen. Kleine Gewohnheiten, deren Wirkung man noch am selben Tag spürt.
Die Frage für heute: Ist Lüften bei Ihnen eine Gewohnheit — etwas, das Sie täglich machen, ohne darüber nachzudenken — oder erinnern Sie sich erst daran, wenn die Luft schwer geworden ist?
Am nächsten Donnerstag: Lärm. Der, den wir nicht mehr hören und der uns trotzdem ermüdet.
Was auf uns wirkt
Räume wirken auf uns, auch wenn wir es nicht bewusst wahrnehmen. In dieser Reihe betrachten wir, wie Licht, Luft, Lärm, Temperatur, Feuchtigkeit, Materialien und der Kontakt zur Natur unser Wohlbefinden und unseren Alltag beeinflussen — gestützt auf Forschung und überprüfbare Quellen.
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