Es gibt Länder, die man bereist, und solche, die man wiedererkennt – als hätte man sie schon gekannt, bevor man ankam. So war es für mich mit Portugal. Ich nenne es meine Wahlheimat, und das ist keine Stilfigur: Dort habe ich zum ersten Mal gesehen, dass Handwerk eine selbstverständliche Lebensform sein kann und keine Attraktion für Touristen.
Portugal stellt Dinge seit Langem und mit Ruhe her. Kork wird von denselben Eichen geerntet wie schon vor einer Generation – zwischen zwei Ernten muss der Baum neun Jahre unberührt bleiben, deshalb hat Eile dort keinen Platz. Wollstoffe aus Manufakturen in den Bergen entstehen mit Wissen, das von Generation zu Generation weitergegeben wird. Keramik besitzt ein Gewicht und eine Unregelmäßigkeit, an denen man die Hand erkennt. Es ist ein Land, in dem „handgemacht“ kein Marketingetikett ist, sondern eine Tatsachenbeschreibung.
Und diese Gegenstände tragen noch etwas in sich, das ich erst mit der Zeit verstanden habe: Ihre Ruhe entsteht nicht durch Farbe oder Form, sondern durch ihre Ehrlichkeit. Man weiß, woraus sie bestehen. Man weiß, woher sie kommen. Man weiß, dass sie in zehn Jahren besser und nicht schlechter aussehen werden – denn Kork, Wolle und gute Keramik altern wie Menschen, die wir mögen: Sie gewinnen Charakter.
Im Herbst kommen die ersten portugiesischen Gegenstände auf meinem Weg nach Polen – auf dem kurzen Weg, über den ich von Anfang an schreibe: von der Manufaktur ins Zuhause, mit nur einem Glied dazwischen. Vorher fahre ich noch einmal dorthin – um Werkstätten zu besuchen, Hände zu schütteln und zu sehen, wie das entsteht, was ich mit meinem eigenen Namen empfehlen werde.
Und Sie – gibt es ein Land, das Ihre Wahlheimat ist?
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